Tag 1   17.Juni 2014 Aidlingen/Göttingen nach Herrnhut/Görlitz: 630 km

Heut gings nun endlich los. Nach Monaten der Vorbereitung, Überraschungen und auch einigen Rückschlägen sind wir mit USSR14 planmässig losgeflogen. Dino hat 10 Tage vor Start sein Moped tauschen müschen, und Andi am Wochenende zuvor noch nen kleinen Kabelbrand überstahnden, inklusive Tausch der Gabelbrücke.

Um 8 Uhr morgens haben sich Andi und Pidi aus Aidlingen losgemacht, und kleine 430km später haben wir dann Dino getroffen. 30 Minuten zu spät, wie sichs gehört. Zur Begrüssung flux ne Wurst von Proffen - danke Dino - und weiter nach Herrnhut, Da sitzen wir nun. Nein wir wollten keinen Schnaps trinken, auch das haben wir nicht geschafft. Rahmschnitzel als Grundlage; hoffentlich reichts. Morgen wirds dann weiter durchs wundeschöne Polen gehen. Allerdings nicht auf Nebenstrecken, sondern zügig Richtung Masuren.

Stay tuned !


Tag 2: Görlitz nach …..... jaaa, wo sind wir eigentlich....irgendwo in Dunkelpolen. 505Km

oh was ein Tag … wir sind mit einem ordentlichen Frühstück und viel Sonne in Tag 2 gestartet und es sollte ein guter Tag werden. Es geht doch nichts über gute Vorsätze – man muss Sie aber auch einhalten. 8:30UUhr 16 Grad, die Sonne lacht. Polen wir kommen..

Entgegen des Planes Polen nur als Transit zu nehmen und auf Autobahnen und Bundesstraßen dieses Land zu queren verfuhren wir uns im klein/klein. Nach ca. 1,5 Stunden waren sage und schreibe 18 Kilometer vom Startpunkt entfernt... Respekt....

Also die erste Pause und weiter ging es. Nach ca. 30 Minuten hupte es wild und Andy fuhr seinen Ofen direkt auf den Parkplatz einer Dorfkirche – war das vielleicht ein Zeichen?
Er stieg mit den Worten vom Bock „ich habe einen Platten“ jedoch stellten wir sehr schnell fest, das statt des platten Reifens, sich die Radbolzen am Hinterrad lösten und die Felge während der Fahrt das Schlagen anfing. Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher sei Dank. Man-o-Man was ein Glück, das Mensch und Maschine nichts passiert ist. Gott sei Dank

Kurze Zeit später haben wir dann festgestellt , dass wir noch ordentlich Kilometer machen müssen . Und so war es dann auch. Rauf auf die Bahn Richtung Masuren.

An einer Ampel haben dann noch die Koffer von Pidi und Andy tiefgreifende Freundschaft geschlossen – nachdem an einer Ampel Mann 2 Mann 1 in den Karren gefahren ist. Shit happens. Zum Glück ist nichts wirklich ernstes passiert, aber Pidi's linker Koffer ist verbeult und wohl auch undicht. Andy's Koffer sieht aus wie neu – das Ding kannst Du auch aus der ISS schmeißen und die könnten unbeschadet verbaut werden..... Noch Fragen Kienzle ?

Und weil das alles noch nicht reicht haben wir zum Tagesfinale auch noch den Jackpot hinsichtlich Übernachtung gezogen. Wir sind in Gottes verlassener 0.5 Sterne Pension gelandet. Das Epi-Zentrum der mittelpolnischen angriffslustigen Stechmücken inklusive.

Und weiter geht’s 20:30 Uhr: Wir wollen noch ein Bier bestellen, aber das Restaurant will schliessen. Nicht mit uns … in ca. 5 Sprachen haben wir dann deutlich gemacht was wir noch wollen und siehe da... geht doch !

ABER, ….. morgen ist ein neuer Tag.

Stay tuned !

P.S.: 20:38: Wir bekommen eine Thermos-Kanne Kaffee auf den Tisch, für den nächsten Morgen, weil da niemand da ist !! OMG ! …. Spontan wünschen wir uns keine weitere Übernachtung in Polen :-)

Tag 3: Bromberg nach Wydminy – 330 km

Die Nacht verlief besser als erwartet. Alle haben passabel geschlafen.
Wir sind früh raus und saßen um 7:30 auf den Mopeds. Schliesslich gabs kein Frühstück zu verpassen. ( Die Kanne Vorabendkaffee haben wir verschmäht – immer die Deutschen !)

Glücklicherweise – wie in Teilen Deutschlands – ist in Polen heute Feiertag. Insofern keine LKW's auf der Strasse. Trotzdem zieht sich die Strecke hin. Auch die Hauptlandstrassen ziehen sich durch schier jeden Ort. Und zwingen uns von Tempo 110-120 regelmässig auf km 50.


Anstelle vorgezogener Mittagspause wird dann fast 2 Stunden an Pidis Moped gebastelt. Sämtliches Werkzeug – von Andy, Dino und dem Tankstellenwart ist im Einsatz.
Der deutlich schiefe Lenker wird auf deutlich weniger schief umgebaut ! Hört sich komisch an., war aber so.

Und den verbeulten Koffer hat „Spengler_Dino“ wieder ausgebeult.
Und das ging prima ! Alle Dellen die vorher „drin“ waren, sind jetzt ziemlich alle „draussen“. Jetzt noch Panzerband und Plastiktüte; Fertig !!
„Garantiert wasserdicht ! Wenn jetzt noch Wasser reinkommt Pidi, bleibts auch drin“

Ja, und dann fanden wir Wydminy !
Diese fast vergessene Perle in Masuren. 2 Zimmer, lecker Abendessen, nette Wirtsleute.
Wir sind entspannt und guter Dinge.

Und damit endet Tag 3 um Längen versöhnlicher als der Tag zuvor.

Mal sehen was Litauen morgen bringt.
Landeswährungen und Landessprache werden wir weiterhin beharrlich ignorieren.

Wie das geht ?

STAY TUNED !

Tag 4: Widminy nach Nida, Litauen, kurische Nehrung – 430km

Schön eigentlich, daß es bisher nicht geregnet hat und immer schönes Wetter war.
Das änderte sich heute.
Bei Regen und kühlen 12-14 Grad sind wir heute in Litauen eingef....ahren :-)
Kaliningrad haben wir ausgelassen. Irgendwie hatten wir noch im Hinterkopf, daß es dort spezielle Einreisebedingungen gäbe.

Wir haben selten so viel LKW-Transit gesehen, wie auf den ersten Kilometern heute in Litauen.
Trucker-Slalom nannte Andy das passenderweise.

Aber schon kurze Zeit später hatten wir vielfach die Straßen Richtung Westen, Richtung Meer für uns.

Litauen ist ein wahnsinnig weites und flaches Land. Wiesen und Wälder soweit das Auge reicht. Eine wirklich sehenswerte Kulisse. Und hier ticken die Uhren spürbar langsamer als im betriebsamen Deutschland.
Genau genommen haben wir regelmäßig mehr Störche als Menschen gesehen.

Mittagspause hatten wir in einem netten Restaurant in einer kleinen Stadt gemacht. Landestypisch Essen ist uns einfach wichtig. Die Pizza gab's entsprechend mit einem Extrakännchen Soße !
Auf Nachfragen wurde uns bestätigt, daß das – ganz klar - eben Pizza-Soße ist. Ja nee, is klar...... lol

Und als wir dann genug von den schönen neuen EU Asphalt-Straßen hatten – die konsequent ohne irgendwelche Kurven die Landschaft durchzieht – ist der Straßenbelag ein buntes Gemisch aus Schotter, festgefahrenem Dreck und Sand.
Aber es scheint eh nicht wirklich viele Autos auf dem Land zu geben.

Klaipeda – mit 200.000 Einwohnern an der Küste gelegen – haben wir schnell hinter uns gebracht, um mit der Fähre auf die kurische Nehrung zu kommen. Eine im Meer vorgelagerte Landzunge.
Joh, und da sitzen wir jetzt in Nida, herrlich an der baltischen See gelegen und fragen uns: Was kommt morgen ?

Wer weiß. Heute sind wir erst mal platt !!!..................... STAY TUNED

Tag 5 : 21. Juni, von Nida nach Panevezys 410km

Die Nachtruhe endete frühzeitig um ca. 2 Uhr, durch lautstarken Alarm eines Bremsscheiben-Schlosses. Glücklicherweise aber nicht an unseren Bikes.

Nach dem Frühstück, Kette spannen und Bremshebel einstellen begann die Fahrt heute relativ spät gegen 9:45, die Kurische Nehrung entlang und mit der Fähre zurück ans Festland. Mit 11 Grad war die Morgentemperatur übersichtlich.

Es hörte auf zu regnen, und wir kamen zur Mittagszeit nach Stauliai, genauer „the hills of crosses“.
Wir kennen leider die Geschichte dieses Ortes nicht, aber es war schon beeindruckend einen Platz zu erleben, an dem hunderttausende, oder gar Millionen von Kreuzen stehen. Von kleinen und kleinsten Holzkreuzen, bis zu 3 Meter hohen. Auch Papst Johannes Paul war 1993 hier. Das sieht man so auch nicht überall.

Ein Ort für Gläubige, Pilger.......... und uns. :-), für diesen Moment.

Nachmittags sind wir dann vielfach unbefestigte Straßen gefahren. Schotter, dann Schotter und immer wieder Schotter ! ….. Wie bei „life of Brian“ - um bei einem religiösen Motiv zu bleiben: „Große Steine, spitze Steine, runde Steine...“........

Aber es hat Spaß gemacht ! …... und man sieht kleine Orte abseits jeglicher ausgetretener Pfade.

Jetzt sind wir hier in Panevezys ( spricht sich: QWIDUZD&%$§ ), wir haben vermutlich nur ein paar Stunden Dunkelheit (Mittsommernacht) und morgen geht’s nach Lettland.

Ach so: D'schland, D'schland, …..... höööggschde Konzentration Männer !!

Wir gewinnen heute abend 2:0 ( Pidi Tipp ) !!!

Alles wird gut ! Stay tuned folks.........

Tag 6: 22. Juni, von Panevezys nach Sigulda ( bei Riga.....Anm. d.Red. ) 320 km

Abfahrt: 9 Grad Regen. Riga noch zarte 10 Grad ( …. und noch mehr Regen )

Wo soll das noch hin führen ?? Bis wir weiter nördlich in Russland sind, ziehen wir doch noch Ketten auf........ also rein fahrtechnisch natürlich. Is klar :-)

Nach 1 ½ Stunden sind wir heute nach Lettland gekommen. Der Grenzort war strange, meine Güte. So stellt man sich den Ostblock, ländliche Armut und Verfall vor. Unglaublich. Da ist nicht nur die Zeit stehen geblieben. Schade, kann man aber nicht anders kommentieren.

Lettland ist da allerdings schon deutlich unterschiedlich. Nicht nur in Städten wie Riga ist deutlich westlicher Einfluss vorhanden. Alles halt geordneter, auch gepflegter, aufgeräumter.
Wir durften bei einer grossen Alkohol-Kontrolle prompt auch alle blasen. Ins Röhrchen (!), alle 3. Dino hatte schon das Handy parat und Totti's Nummer gewählt........ aber lassen wir das.
Natürlich hatten wir das Vorabend-Fussball-Bier ausgeschwitzt ! ( ein 2:2 gegen Ghana reicht auch nicht wirklich.......... !! )

Den Abstecher zur „Cote Azure“ Lettlands haben wir dann kurzfristig gestrichen. Bei 10 Grad Dauerregen waren wir echt unmotiviert und haben anstelle dessen bei MacD auf Kaffee und Burger gehalten. Landestypisch halt, ihr erinnert euch.....

Ach so: 60-80 Kilometer off-road sind wir heute gefahren. Meist Schotter, und festgefahrene Grobkiesel-“Straßen“, manchmal auch fester Sand. Und wenn nötig Wiesen und Vorgärten, wenn der Schotter ausgeht ( ….. aber nur bei Pidi :-) …... )

Selbst Autobahn-Ausfahrten münden mitunter direkt in unbefestigte Straßen. Und auch auf Autobahnen queren schon mal ältere Damen mit Einkaufstüten, Radfahrer fahren auf dem Standstreifen ( gegen die Fahrtrichtung ! )........ja, so halt.

Zum Abschluss in Sigulda haben wir noch fleissig geschraubt und kontrolliert.

Also ihr seht, alles wir gehabt ! :-)

Und Morgen ? ….... you don't know, what you don't know.

Stay Tuned !

Tag 7: 23. Juni, von Sigulda nach Ape in Lettland - 320 km

Das vorbestellte und im übrigen auch bezahlte Frühstück sollte heute erst ab 10:00 morgens möglich sein. Uns etwas zu spät. Also gab's beim obligatorischen Tanken einen Automaten-Kaffee und einen Schokoriegel. Heut zu Tage sind da ja auch total gesunde Cerealien drin :-)


Und der zweite Stop schon kurz drauf: Starker Regen, Zeit für die Regenkombi !..........

Da geht die Temperatur schon mal auf 6.5 Grad runter, die Sicht wird schlecht, der Lehm/Sand-Belag auf der gewählten „off-road“ Strecke entsprechend glitschig.

Das Land ist an der allermeisten Stellen aber wirklich wunderschön. Kein Thema. Beeindruckende Wolkenkulissen, wie wir sie vorher so noch nicht gesehen haben. Das Wetter ändert sich so schnell, wie die Wolken wandern. Wirklich schön.


Nur wer Regen nicht mag, der ist hier völlig fehl am Platze. Wenn die Letten bei 11 Grad kurze Hosen, offene Schuhe und Tops tragen, will ich den Winter hier nicht gesehen haben.


Am Nachmittag dann einige Kurven bei Sonnenschein – welch ein Genuss, am späteren Nachmittag sind wir dann auf ein ausgedientes Militärgelände gefahren. Sehr schön. Mit monströs großer Lenin-Büste auf einem alten Platz, heute verlassen und zugewuchert. Erste russische Vorboten der USSR 14 Tour. Sehr schön.


Und auch am zweiten Tag haben wir wieder Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. 115Km/h anstelle der vorgeschriebenen 90km/h, sagte der freundliche Wachtmeister zu Dino mit Blick auf die Radarpistole. Aber: Er hat uns kopfschüttelnd weiterfahren lassen ! „slow slow ! „..... das hätte es in Deutschland so vermutlich auch nicht gegeben.

Im übrigen sind auch viele Letten nett zu uns, winken uns zu, vor allem Kinder. Heute z.B. gab's von der Wirtsfrau selbstgekochtes, obwohl es hier eigentlich keine Verköstigung gibt, aber die weitgereisten Deutschen halt so hungrig sind. Sehr nett !


Morgen werden wir dann den Plan ändern müssen, und einen BMW Service Partner in Tartu ansteuern. Ölverlust an der Vordergabel bei Andi; die Simmerringe.

Angesichts der Straßenverhältnisse kann man gerade hier nicht auf Federung verzichten.


Ein ereignisreicher, aufregender Tag in Lettland....... und die hellste Nacht des Jahres und wir haben keine Gardinen vorm Fenster...


Stay tuned !


Tag 9 : 25. Juni, von Tartur nach Pürna ( 180km )

7 Uhr Frühstück, 7:40 Uhr Abfahrt, Schlag 8 Uhr stehen wir beim Freundlichen BMW Händler vor der Tür.

Die Simmer-Ringe die wir brauchen sind leider nicht vorrätig, könnten aus Tallinn angefordert werden, die Reparatur könnte aber nicht vor Freitag erfolgen. Schöner Scheiß !

Ein junger Mitarbeiter hat die zündende Idee, dass sein Onkel von „Motor-Hoov“ vielleicht die Dinger am Lager hat. OK. Schlag 9 Uhr stehen wir bei „Motor-Hoov“ aufm Hof.

Im Unterschied zum „Freundlichen“ sind die hier auch tatsächlich freundlich. Die Simmer-Ringe sind da, die Reparatur wird SOFORT gemacht, der freundliche Onkel spricht sehr passabel deutsch. Volltreffer. Aufm Hof stehen noch ein Dutzend Harley-Davidson Ameracchie, Militärausführung. Die hat der freundliche Onkel für 15 Tausend Euro in Gummersbach geschossen, inklusive Ersatzteilen. Die will er jetzt reparieren und verkaufen.

Gegen 13 Uhr holen Andy und Dino das Moped wieder ab.
Andy und Dino auf einem Moped – samt Koffern und Packtasche – ist dann wohl die estische Variante von „Tieferlegung“....... deep impact.

Ende gut, alles gut. Dank der Hilfe des freundlichen Onkel – zu einem fairen Kurs – hat Andy neue Dichtringe in der Gabel.

Und wir können um 14 Uhr los nach Parnü.

An dieser Stelle unsere Anerkennung für die Esten. Die allermeisten Begegnungen sind super nett und positiv. Alle sprechen Englisch, helfen weiter sind freundlich. Im Vergleich zu Lettland oder gar Litauen, ist der westliche Standard hier erreicht, und das Preisniveau gleich mit.
Uns fällt auf, das die Landsleute vergleichsweise zurückhaltend und – ja wie ? - emotional kühl sind. Nordisch kühl. Überhaupt nicht unfreundlich, aber „reserviert“......

Und wie war das Wetter ? …..

Vor dem Hotel treffen wir eine Dame aus Finnland, die wissen will wo wir her kommen und hin wollen ( auch sie spricht deutsch ! )
Witzigerweise hat sie mit ihrem Mann einen Ausflug nach Estland gemacht, weil es hier wärmer ist ( warm = 12 Grad )
In Finnland sei es so kalt um diese Jahreszeit, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Mittsommer in Winterklamotten !

Bingo. Das haben wir doch perfekt getroffen ! …. wir fahren weiter Richtung Norden.... Murphy's law ! :-)

Schöne Grüße ins sonnige Deutschland.

Stay tuned ! 


Ab sofort stehen Bilder unter "USSR 14" :-)


Tag 10 : 26. Juni, von Pürna nach Narva ( 315km )

Heute sind wir am nordöstlichsten Punkt Estlands angekommen. Narva. 3Km von der russischen Grenze entfernt. Und 3.400 Fahrkilometer von Stuttgart........ das is'n Stück !

Narva ist keine wirklich schöne Stadt, die Fahrt hierhin war es aber. Wir fuhren stellenweise durchs offene, weite und sehr windige Hinterland, dann ein Stück am finnischen Seebusen entlang.

Jetzt sind wir in einem Hotel, die Mopeds in eine alte Garage geparkt. Das war uns heute bei der Gegend einfach mal wichtig.

Was gab es heute noch so ?

Wir hatten heute morgen den Termin im Waisenhaus, nahe Pärnu.
Wir haben uns gefreut und waren positiv überrascht, einen hohen Standard vorzufinden. Entgegen anderen Erwartungen aus östlichen Ländern, kümmert man sich hier um die Schwächsten.

Mir geht die Antwort auf meine Frage nicht aus dem Kopf, aus welchen Gründen die Kinder wohl in der Unterbringung sind: 90% aufgrund von Alkohol-Problemen der Eltern !..... ein kleiner Junge namens Arthur ist sogar dort geboren.

Und dann war Bescherung ! Alle Mann auf die Riesenschachtel.
Und mit zunehmender Zeit wurden manche Kinder zutraulicher, haben gelacht, sich gefreut.
Super ! Deswegen sind wir hier !

Ach ja, und dann haben wir uns heute entschieden, die Tour doch etwas anders weiterzufahren. Wir werden uns nach Russland Richtung Helsinki aufmachen und die Fähre nach Travemünde nehmen. Die benötigte Fähre zu bekommen, war heute morgen alles andere als einfach – zum Schluss hat's dann telefonisch doch noch geklappt :-). Wir haben uns dafür entschieden, da wir doch noch gerne einige Tage hier in der Region verbringen wollen, anstatt einfach 3.500km wieder zurückzufahren.
Am 2 Juli werden wir mit der Fähre schicke 26 Stunden nach Travemünde fahren. Übers Wasser ….. mit der Fähre :-)..und den Rest dann wieder auf Achse :-)

So, jetzt läuft Fußball liebe Leute. Männer können nicht 2 Sachen gleichzeitig :-) :-)

Stay tuned ! 


Tag 11 : 27. Juni, von Narva nach ( 215km )

Narva, die Zwillings-Stadt. Halb zu Estland, halb zur russischen Föderation gehörig.

Morgens stehen wir am Grenzbalken um zu erfahren, das wir ein Grenzticket (bee-let ) brauchen. Eintritt zum Übertritt ?.... naja, also müssen wir 5 km außerhalb zur Grenzaußenstelle (eine russische Enklave in der Mitte Estlands).
Der wortkarge Ultimate-Fighter in Häuschen eins (mit eingerissenem Ohren und grob genähten Narben ) stempelt uns ein Dokument, das ein weiterer Beamter in Häuschen zwei ( 100 Meter entfernt ) gleich noch mal sehen und stempeln will. Alles gut.
Dann zurück zur Grenze. Ein anderes Häuschen 1, Häuschen 2 und als wir denken das Thema ist durch, kommt noch das Zoll-Häuschen 1 und...... 2; genau !!
Und am allerletzten-Häuschen findet die nette Beamtin, das Pidi seine Angaben nicht ordentlich ins Formular eingetragen hat. Macht nichts: Dann eben nochmal...... Gefühlte Temperatur unter den Zwiebellagen: … 74 Grad !

Was sollen wir sagen, 3 Stunden später sind wir „fertig“. Noch eine Polizei-Kontrolle – 70 Meter nach der Zoll-Kontrolle. Sicher ist sicher, oder ….... ist ja auch egal.

Russland, jetzt sind wir da.
Road-Captain Wolter – wie ALLE Tage zuvor auch – vorneweg. Diesmal ohne Navi, daß funktioniert hier nicht.Und er macht es so gut, wie alle Tage zuvor auch.

Die Fahrt an sich ist leider nicht schön. Richtung St. Petersburg – obwohl wir eine ordentliche Kurve zur Umfahrung nehmen – ist richtig viel Verkehr. Vor allem LKW-Verkehr, der immer wieder überholt werden will. LKW-Slalom.. once more !

Und selbst auf Fernstraßen sind Bahnübergänge... und die haben es in sich -puh- hier muss man regelmäßig auf Stopp-Schild-Null-Geschwindigkeit. Und jeder 40-Tonner holpert im 1 Gang drüber. Richtig zügig geht’s hier nicht nach vorne.

Ortszeit 18 Uhr sind wir dann in einem Hotel. Shlisselburg heißt der Ort. Mit Händen und Füssen werden wir uns einig. Von 1. pm bis 6am gibt’s kein Wasser und auch keinen Strom. Wird schon !

Morgen wollen wir an den See, und auch mal was sehen !
Was genau, könnt ihr morgen hier lesen.

Stay tuned !

PS: ab hier wird es dann mehr als schwierig zu posten, aber wir werden es dennoch versuchen....
(24 Std. Internet = 15€ oder Telefon pro Minute nach D = €5,48.....)



Tag 12 : 28. Juni, von Schlüsselburg nach Michurinskoje ( 280km )

Abends zuvor erfahren wir noch, daß wir leider nicht im Restaurant frühstücken können.
Also gibt’s morgens Instant-Kaffee á la Dino&Andy. Lecker auf'm Camping-Kocher im Hof geköchelt.
Zumindest ein belegtes Brötchen und einen O-Saft haben sie uns hingestellt.

Die Entfernungen in diesem Land sind groß und der Zeitbedarf allerdings noch größer.
Wir haben unsere Planung heute angepasst, und werden nicht mehr versuchen den ganzen See in östlicher Richtung zu umkurven. Das klappt zeitlich nicht ! No way. Der Ladogasee ist eine eigene Reise wert!

Also führt uns unsere Fahrt heute ans Westufer des Ladoga-See's. Der sehr schön ist.
Eigentlich wäre „Meer“ der passendere Begriff. Der Bodensee passt hier wohl 34 mal rein; Ufer sind nicht zu erkennen.

Dann machen wir Bekanntschaft mit den russischen Straßenverhältnissen.
Von „stark ausgebessert“ über wellig bis hin zu 25cm tiefen Löchern ist alles dabei.
Pidi hat 49 Grad unterm Helm, Dino findet's „einfach geil“.
Reisebericht sprechen an der der Stelle einfach von „katastrophal“. ( … so is es …. )

Zumindest finden wir auf den letzten Liter noch ne Tanke. Passt. Nur Karten funktionieren nicht, und nun sind sie hin, die letzten Rubel-Scheinchen.

Am schwierigsten ist aber die Navigation. Die kyrillischen Ortsnamen im Vorbeifahren einzuordnen, geschweige denn zu merken, funktioniert nicht. Mittlerweile stehen wir an jedem Schild und versuchen die Ortsnamen auf der Karte wiederzufinden. Die Karte hat einen Maßstab von 1: 2.000.000; da steht also beileibe nicht alles drauf ! ….. Kann man sich so vorstellen, wie es sich liest :-)

Und mitten – Entschuldigung – im Scheiß draußen, biegen wir ab – da war etwas was erahnen lässt dort schlafen zu könnenh.
„Das ist niemals ein Hotel“ meint Pidi. Sieht eher aus wie'ne Reha-Einrichtung für Bonzen-Partei-Genossen. Ist es aber. Und wie „!
So neu, daß die Fenster noch die Baukleber drauf haben. Mit Spa und Massage und Seeblick haste nicht gesehen. Da passen wir rein wie Arsch auf Eimer. Aber was soll der Geiz. 44,00 Euro das EZ … das kriegen wir gerade noch hin.

Und keiner spricht Englisch. Keiner. Niemand … wirklich KEINER
Essen wird über Bildchen bestellt, die wir den Bedienungen als Bilder auf'm Handy zeigen.
Spannend !....

Morgen wollen wir nochmal weiter nördlich, und dann schauen, wo wir die letzte Übernachtung in Russland haben werden.

Neugierig ? Wir auch !

Stay tuned.

Tag 14 : 30. Juni, von Michurinskoje nach Lappeeranta ( 313 km )

Heute hat Russland uns wieder ausgespuckt. Aber nicht freiwillig !

Aber eins nach dem andern.
Mit der Verpflegung haben wir uns heute – wieder einmal – nun, wenig anspruchsvoll gezeigt.
Details wollen wir euch ersparen. Alle 3 Stunden einen Zuckerstoß, damit wir die 10 Stunden über die Runden bekommen.

Fahrtechnisch wurden aus den theoretisch 138 km zur Grenze letztendlich ungefähr 250km. Spannend. Navigation in diesem Land blieb auch heute schwierig. Regelmäßig kommen wir da raus, wo die Straße das will und nicht umgekehrt. Außerdem erweisen sich die weiß eingezeichneten Straßen als sog. „Fahrwege“. Heute waren das z.B. 40-50 km Dreckwege durch ein Forstgebiet ! Am Ende finden und fragen wir an JEDER Abzweigung, JEDER Kreuzung, JEDER Gelegenheit nach dem Weg. Schnitzeljagd ohne Schnitzel !

Auch mit dem Wetter wurden wir heute wieder nicht verwöhnt. Irgendwelche 10-12 Grad, fast dauerhaft Regen, mal strichweise, mal Sprühregen, mal Landregen. Für jeden was dabei.

Auf jeden Fall sind wir 6.5 Stunden später an der Grenze. Und kommen erstaunlich gut durch.
Natürlich hat die kleine russische Zöllnerin Bedarf, sich von jedem Moped jeden Koffer öffnen zu lassen. Nicht das sie wirklich rein schaut, aber so läuft das nun mal.
Zum Schluss noch die finnische Pass- und Zollkontrolle, und schon hat uns Europa wieder.

Jetzt sitzen wir in Lappeeranta – natürlich mit W-Lan, um diesen Bericht zu schreiben und Bilder zu laden – und finden, daß dieser Tag trotzt allem gelungen ist. Wir sind gut rausgekommen aus Russland, haben allen Bedingungen getrotzt: Alles gut !

Ach ja; der Spruch des Tages geht auf den finnischen Zöllner, der uns bei der Einreise freundlich durchwinkt:

„Enjoy the freedom“

Machen wir !
Stay tuned !


Tag 15 : 1 Juli , von Lappeeranta nach Helsinki ( 311 km )

Heute ging es von der grenznahen Stadt Lappeeranta in die Hauptstadt Helsinki.
Und nachdem wir das Navi wieder am Laufen hatten – und wir eine Straßenkarte besorgt hatten – sind wir weitestgehend über Nebenstrecken gefahren.

Und die waren wirklich,wirklich schön.
Finnland gefällt uns allen gut. Alles hier ist super gepflegt, aufgeräumt, geordnet.... Vielleicht ist es auch der deutliche Unterschied zu Russland der diesen Eindruck verstärkt – nicht das Russland schlecht war, nein, eben nur anders!

Die Menschen sind offen, ansprechbar, hilfsbereit. Wie gehabt ticken die Uhren auch hier angenehm langsamer, selbst in einer Landeshauptstadt. Entschleunigt halt.

Das Fahren war toll. Von Direktverbindung Autobahn, über Landstraßen bis zu kleinen Fahrwegen, die Höfe verbinden, ist alles da.

Und wenn man es positiv formulieren möchte, dann hatten wir erst ab 14 Uhr Regen. Aber wir hatten ihn.
Manche Sachen sucht man sich nicht aus, wir hätten uns insgesamt über etwas besseres Wetter bei dieser Tour gefreut. Wenn die Sonne lacht, schaut alles einfach freundlicher aus.
Leider haben wir wohl über große Strecken ein Dauertief in der Region erwischt.

Der Tag endet für uns mit einem ersten Resümee dieser Tour und der Frage, wie man 26 Stunden Fähre in einem „Ruhesessel“ übersteht.

Das wird mindestens so „bad to bone“ :-)

Die Rückreise beginnt.

Stay tuned !!!

Tag 16: 2.Juli Helsinki - Fähre nach Travemünde

Nachdem wir am gestrigen Abend fast nichts mehr zu essen bekommen hätten (es war schn nach 9...), haben wir doch noch ein Lokal gefunden und konnten uns an typisch finnischer Küche erfreuen. 1 x Pizza und 2 x Hühnchen mit Gemüse - lecker.

Den Vormittag hatten wir heute dann zur komplett freien Verfügung, da unser einziger Termin heute die Fähre um 15:30Uhr Richtung Deutschland war. Also nutzen wir die Zeit und bummelten von unserem Innenstadt-Hotel die paar Schritte ins Zentrum. Da war auch richtig was los bei dem sonningen Wetter. Nen bisschen gucken hier, nen bisschen stöbern dort und in den einen oder anderen Laden mal rein - das war ne richtig gute Abwechslung nach 15 Tagen im Sattel...

Gegen 15:00Uhr machten wir uns dann auf, um die Fähre auch auf jeden Fall rechtzeitig zu erreichen. Pünktlich wie die Maurer standen wir dann am Check-In...und schwupdiwup waren wir auch schon drauf :-) Sauber vom Ladepersonal eingewiesen, durften wir unsere Fuhren dann auch noch gegen verrutschen jeweils 4-fach verzurren...bei 30Grad im Frachtraum.

Ab jetzt hieß es durchhalten, denn 26 Stunden sind wahrlich kein Pappenstiel. Egal - ging irgendwie.....Schiffe am Horizont zählen, Wale suchen im offenen Meer, Karten spielen, quatschen, Sauna, Fitness, Restaurant oder Bar....zu irgendwas hat einen die Langeweile immer hingetrieben. Und dann kam irgendwann der Moment wo wir alle müde wurden und eigentlich schlafen gehen wollten. Wir dachten eigentlich wir bleiben einfach auf den Sofas der Hansa Lounge sitzen, da kann man sich doch bestimmt auch ganz bequem hinlegen...denkste.... Punkt halb 12 hat uns der Steward dann gebeten in den Ruheraum zu wechseln, da die Lounge ab 12 abgeschlossen wird. Shit. Also dann doch die Nacht in wahnsinnig komfortablen -immerhin mit 3cm verstellbarer Lehne- ausgestatteten "Relax-Sesseln". Was eine üble Nummer......geschlafen haben wir dann alle auf dem Boden...

Morgen ist ein neuer Tag, morgen legen wir in Travemünde an !

Stay tuned!!

Tag 17: 3.Juli immer noch unterwegs nach Travemünde

Punkt 21Uhr in Travemünde wie geplant angelegt. Den Tag verbrachten wir irgendwie mit allem möglichen und waren froh, als wir dann endlich "Land in Sicht hatten". Wer einmal mit der Fähre in Travemünde angelegt hat, der wird es wohl nie mehr vergessen. Es ist unheimlich eindrucksvoll wie die Fähre an der gesamten Promenade und am Hafen entlanggleitet, man meint man fährt vor einer Kulisse längs.

Wir hatten das Glück auch recht schnell runter zu kommen und machten uns so auf den Weg zu unserem Hotel ins nahegelegene Lübeck. Angekommen, eingecheckt, geschlafen, gefrühstückt und schon geht es morgen wieder weiter. Dann den letzten gemeinsamen Ritt nach Göttingen, wo wir schon erwartet werden.

....mal schauen, ob wir mit den deutschen Strassen überhaupt noch zu Recht kommen....schau mer mal....

Stay tuned !!

Tag 18: 4. Juli Lübeck - Göttingen (380 Km)

Pünktlich wie immer (oder heute sogar noch etwas früher), Frühstück um 8 ! Bei super schönem sonnigen Wetter (wie wir es fast gar nicht mehr kennen), machten wir uns heute Richtung Göttingen auf. Da wir um 16Uhr pünktlich in Göttingen bei unseren Lieben ankommen wollten, haben wir unsere letzte Schleife auch entsprechend geplant. Eigentlich wollten wir die Mecklenburgische Seenplatte mit einplanen, haben uns jedoch dann für den Harz entschieden - und das war sowas von goldrichtig! Bei wirklich strahlend blauem Himmel haben wir die Strecke via Braunschweig, Harzburg, Torfhaus, bis nach Göttingen in vollen Zügen genossen. Noch nen letzter Kaffee am Rande des Harzes und wir waren wie geplant gegen 16Uhr in Göttingen.

Dort wurden wir von einem Begrüßungskomitte der Extraklasse in Empfang genommen...da war ALLES da, was Rang & Namen hatte.... Freunde, Familie, Kinder, Mütter, Verwandschaft, Nachbarn und und und. Ein wirklich herzlicher Empfang der alle berührt und uns wahnsinnig erfreut hat - DANKE AN ALLE !!!!!!!!!!!!!!!!

Eiskalte Getränke, lecker gegrillte Würste und jede Menge Salat haben uns dann recht schnell verstehen lassen, was wir denn die letzten Tage/Wochen vermisst haben :-) Das Jogi mit seinen Jungs dann den Tag "noch" perfekter gemacht hat und sich das deutsche Team für's Halbfinale qualifiziert hat, war ein passender und würdiger Ausklang dieses mehr als gelungenen Tages.

Dino ist nun zu Hause, Pidi und Andy haben morgen noch nen letzten Tag auf der Autobahn Richtung Stuttgart....hoffentlich ohne Reiseverkehr...

Stay tuned !

Tag 19: 5.Juli Göttingen - Böblingen (430 Km)

Nach einem wirklich tollen Abend mit all unseren Lieben (sogar unsere Frauen sind extra aus Böblingen angereist...) haben Pidi und Andy heute die letzten Kilometer bis nach Hause unter die Räder genommen. Aus gegebenem Anlass haben wir das Frühstück heute etwas nach hinten verlegt und haben uns mit einigen Freunden nochmals zum gemeinsamen Frühstück getroffen. Pünktlich wie geplant, ging's dann aber um 10:30Uhr Richtung Schwabenländle los.

Im Gegensatz zu dem, was wir die letzten Wochen fuhren, war das heute eher eine öde Nummer, da wir einfach nur nach Hause wollten und deshalb die Strecke auf dem kürzesten Weg via Autobahn zurückgelegt haben. Da lief es widererwartend auch völlig problemlos und wir kamen gut voran. Kurz vor zu Hause, so ca. 30km, konnte es Petrus dann doch nicht lassen und wir mussten nochmals einen letzten "Regen-Klamotten-Anzieh-Stopp" einbauen......hätten wir beide nicht gebraucht - war aber so...

Egal, gegen 15:30Uhr waren wir dann in Böblingen und haben uns nur noch auf eine heiße Dusche und nen leckeren Kaffee gefreut. 

Jetzt heißt es erstmal ankommen, Klamotten aus, Moped in die Garage, Wellness und was leckeres essen.....das ist ZUHAUSE :-)

Wir melden uns hier in Kürze nochmals mit einem "Abschluss-Bericht".... aber das dauert noch etwas......

Knapp 5.300km in 19Tagen duch 7 verschiedene Länder.....das muss sich erstmal setzen :-)

Also wie gehabt -stay tuned !!!!